Studentenpfeife, wohl Corps Isaria München (KSCV), Porzellanmalerei, Pfeifenkopf, D2765
Landshut 1839
Pfeifenstummel aus Porzellan, zylindrischer Korpus, auf der Wandung 3/4 den gesamten Korpus umspannendes, golden gerahmtes Bildfeld; in bunten Muffelfarben
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„Vorderseitig Isarallegorie, vielfarbige Darstellung in feinster Lupenmalerei mit Goldbordüre. Dargestellt/ personifiziert die Quellnymphe Isaria, Kleidung als Anspielung in den Farben des verbotenen alten Corps Isaria Landshut (grün-weiß-blau bzw. blau-weiß-grün), vor einer dicken Eiche sitzend, der Fluss Isar quellt aus einem Tonkrug in das Flussbett. Darunter ein Schild mit dem Stadtwappen von Landshut. Isar trägt einen Lorbeerkranz und hält ein goldenes Ruder in der Hand, umrankt von Lorbeerrankenwerk. Oberhalb der Quellnymphe in goldenen Lettern der alt-griechische Wahlspruch sinngemäß: „Und erinnere Dich an das Gute…“ Ggfs. eine Anspielung an die Statuten der ersten Isaria Landshut vom 13. Juli 1821 „[…] Nur für die Dauer der academischen Jahre steht jedem unser Kreis offen; frey und ungebunden tritt jeder nach Vollendung derselben aus und nur ein Smollis perpetuus soll ihn an die Freunde erinnern, mit denen er in so schöner Verbrüderung stand.“
Wikipedia: „Um die Jahreswende 1831/32, als die Gesamtstudentenschaft von einer zunehmenden Politisierung ergriffen wurde, arbeitete Isaria unter Beibehaltung ihrer Eigenständigkeit und ihrer landsmannschaftlichen Formen mit der Burschenschaft Germania in einem Verein liberaler Studenten zusammen. Von der Staatsregierung wurde das Corps deshalb am 10. April 1832 aufgelöst. Isaria bestand noch bis 1834 im Geheimen weiter, löste sich dann aber endgültig auf. Am 8. August 1844 (bzw. August 1841) gründeten ehemalige Mitglieder des Corps Bavaria München eine neue Isaria, die jedoch zunächst keine Anerkennung durch den SC und die Behörden fand. Die Wiederbegründer des Corps hielten über drei Jahre lang aus, bis ihnen nach dem Sturz des bisherigen ultramontanen Ministeriums und dem Beginn einer liberaleren Regierungsrichtung am 2. Mai 1847 die königliche Garantie erteilt wurde.“
In der Zwischenzeit (1832/34 – 1844) gab es wohl mehrfach Bestrebungen, die Isaria zu rekonstituieren, was wohl immer wieder an den Universitätsbehörden scheiterte. In diesem Kontext muss auch die vorliegende Pfeife gesehen werden. Alle Namen waren Schüler am humanistischen Gymnasium in Landshut (heute Hans-Carossa-Gymnasium Landshut), die Mehrheit findet sich dann im Wintersemester 1839/40 an der Universität München immatrikuliert (siehe Matrikel der Universität München 1839/40). Zwei bzw. drei der Namen tauchen sogar beim Corps Bavaria München (KSCV) wieder auf. Aus Bavaria gründete sich die alte Isaria und auch die neue Isaria wurde 1844 von ehemaligen Bavaren wiedergegründet.
Damit corpshistorisch außergewöhnlich wertvolles Zeitzeugnis einer versuchten früheren Rekonstitution der Isaria im Jahre 1839 an der ursprünglichen Gründungsstätte der Isaria, in Landshut?
Rückseitig sehr filigran ausgeführte Namensliste:
Greimmer – Greimmer, Franz – immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos.
Hensinger – Hensinger, Ludwig - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos.
Laucher – Laucher, Karl - immatrik. München 1839/40: aus Tittmoning, stud. Philos.; Laucher, Carl: auch Corps Bavaria München KCL 1960 Nr. 413, rezipiert 1841, Dr., Landger. Arzt, Straubing, verstarb 1897.
Mayrhofer – Mayrhofer, Oskar - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos., oder: Maierhofer, Anton – Corps Bavaria München KCL 1960 Nr. 406, rezipiert 1840, x, xx, xx, xxx, xxx, xxx, Schriftsteller, New York, verstarb 1879.
Pfeilschifter – Pfeilschifter, Michael - immatrik. München 1839/40: aus Faustendorf, stud. philos.
v. Poesl – v. Poesl, Karl - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. iur. Es gibt einen Ludwig Carl v. Poesl bei Palatia München, KCL 1960 Nr. 390, rezipiert aber bereits 1834, gepr. Rechtsprakt., Landshut, verstarb 1842.
Porzer – Porzer, Martin - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos.; siehe auch Gedicht von Martin Porzer, München 1848 „Bavaria an Bayerns Volk“.
Schropp – Schropp, Johann - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos.
Schwaicker – Schwaiger, Karl - immatrik. München 1839/40: aus München, stud. philos. Es gibt bei Palatia München einen Carl Schwaiger, KCL 1960 Nr. 479, rezipiert 1840, xx, xx, xx, Kameralprakt., München, verstarb 1849.
Salzenhofer -
Huber – Es gibt einen Josef Huber bei Palatia München KCL 1960 Nr. 396, rezipiert aber bereits 1834, freires. Pfarrer, Benefiziat, Erding, verstarb 1884.
Geissler – ggfs. v. Gässler, August - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. iur.; auch Corps Palatia München KCL 1960 Nr. 470, rezipiert 1839, Oberlandesger.Rat a. D., Nürnberg, verstarb 1904; auch Geißler, Joh. Gg. – Corps Bavaria München KCL 1960 Nr. 419, rezipiert 1841, x, x, Rentbeamter a.D., Passau, verstarb 1892.
Erker – ggfs. Ecker, Michael - immatrik. München 1839/40: aus Landshut, stud. philos.
Hegele – es finden sich in den 1920er Jahren 2 Hegeles bei Corps Bavaria München.
v. Winkhler – ggfs. Winkler, Georg - immatrik. München 1839/40: aus Rät im Winkel, stud. philos., oder ggfs. Winkler, Johann - immatrik. München 1839/40: aus Günzburg, stud. Iur.“
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H.: ca. 13,4 cm Stielende abgebrochen (b=106,3; c=363 mm).
Nachweis: D2765
Provenienz:
- 2025 – „Sammlung Dauer, Magdeburg“ von Privat aus München
Anmerkung:
- alle in Anführungszeichen gesetzten Texte entsprechen der Beschreibung des Verkäufers