Porzellantasse mit Untertasse nach einem Gemälde von Hermann Werner, D2860
„Deutschland (Thüringen), um ca. 1855–1875
Feinwandige Porzellantasse mit Untertasse in eleganter, leicht ausgestellter Form auf vergoldetem Standring. Die Wandung der Tasse wird von einer großformatigen, fein ausgeführten handgemalten Bildreserve eingenommen. Dargestellt ist ein junges Mädchen in ländlicher Umgebung, das eine Ziege füttert. Neben der Figur befindet sich ein kleiner Korb mit Blumen oder Futter, im Hintergrund eine einfache Holzumzäunung sowie eine landschaftliche Staffage mit Bäumen und Gebüsch. Die Szene geht auf ein Genrebild des deutschen Malers Hermann Werner zurück. Werner wurde am 29. Januar 1816 in Samswegen bei Magdeburg geboren und zählt zu den Malern der Düsseldorfer Malerschule, deren Werke im 19. Jahrhundert große Verbreitung fanden. Seine Darstellungen von Kindern, bäuerlichem Alltag und idyllischen ländlichen Szenen erfreuten sich besonders in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts großer Popularität und dienten häufig als Vorlagen für kunsthandwerkliche Reproduktionen, darunter auch Porzellanmalerei. Das hier wiedergegebene Motiv entspricht dem von Werner geschaffenen Genrethema „Komm Hans“, in dem ein Mädchen ein Zicklein anspricht oder füttert. Die sentimentale, erzählerische Darstellung entspricht dem Geschmack der Zeit und wurde von Porzellanmalern häufig adaptiert, um populäre Gemälde einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Die Ausführung der Malerei zeigt eine feine Lasurtechnik mit weichen Farbverläufen und sorgfältig modellierten Gesichtern. Die Landschaft ist atmosphärisch gestaltet und verleiht der Szene räumliche Tiefe. Die Tasse besitzt einen geschwungenen Henkel und einen vergoldeten Standring. Die Untertasse ist schlicht gehalten und ebenfalls mit einer Goldstaffage am Rand versehen. Am Boden der Tasse befindet sich die eingeritzte Modellnummer „96“, eine in der Produktion häufig verwendete Former- oder Modellnummer. Eine Fabrikmarke fehlt. Aufgrund der Formgebung, der Goldstaffage und der charakteristischen Porzellanmalerei ist eine Herstellung im thüringischen Porzellanraum (Rudolstadt/Volkstedt-Region) wahrscheinlich, wo zahlreiche Porzellanmanufakturen und freie Porzellanmalereien im 19. Jahrhundert tätig waren. Solche Tassen mit gemalten Genrevorlagen waren im bürgerlichen Haushalt der Zeit beliebte Zier- und Geschenktassen. Sie verbanden dekorative Funktion mit der Rezeption zeitgenössischer Kunst. Der vorliegende Beleg ist zudem besonders bemerkenswert, da er ein Werk eines Malers wiedergibt, der aus der Region Samswegen bei Magdeburg stammt. Zustand: Seitlicher Sprung in der Tasse, ansonsten guter dekorativer Zustand.“ (ChatGPT, 05.03.2026(; Abmessungen: Tasse H=7,4cm; Doben=9,5cm; Dunten=5,2cm; Unterschale H=3,2cm; D=13,5cm; Nachweis: D2860
Provenienz
- 2026, Februar – „Sammlung Dauer, Magdeburg“ von Vinci Shop, Görlitz